Die Einschulung: der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule

Vor Kurzem fand an der Schule wieder das jährliche Einschulungsverfahren statt. Hierzu einige Informationen für unsere interessierten Leser:

Für jedes Kind ist die Einschulung ein großer Schritt im Leben. Bereits mit 5-6 Jahren wissen die Kinder genau, es beginnt etwas Neues, etwas Großes, etwas Besonderes…

Doch ab wann ist mein Kind schulreif oder schulfähig? Diese Frage stellen sich jährlich tausende Eltern, wenn es um die Einschulung ihres Kindes geht.

Auch an der Deutschen Schule Jakarta ist dies immer wieder eine Herausforderung, der sich Kindergarten und Grundschule gemeinsam stellen: Welche Kinder sind wann schulfähig?

Wann ist ein Kind schulfähig?

Eine klare Antwort auf die scheinbar einfache Frage gibt es nicht und wird es trotz aller fachlichen Diskussionen wohl auch nie geben. Kinder sind Individuen und damit einzigartig in ihrem Wesen und Charakter. Welche Kriterien können also zur Schulfähigkeit herangezogen werden?

Hier ist an erster Stelle immer das Alter zu nennen. In Deutschland liegt, je nach Bundesland, das Einschulungsalter zwischen 5 und 7 Jahren. Es gilt hier eine sogenannte Stichtagsregelung (je nach Bundesland zwischen dem 30. Juni und dem 30. September). Das Alter jedoch ist auch nur einer von vielen Anhaltspunkten, die eine Schulreife vermuten lässt. Entstanden ist dieses Alter aufgrund vieler entwicklungspsychologischer Testverfahren. Neugeborene und Babys reagieren mit Reflexen (Saug-, Schluck-, Greifreflex). In den nächsten Jahren kommen immer mehr Fähigkeiten & Fertigkeiten dazu. Im Kleinkindalter gilt noch das Prinzip „aus den Augen, aus dem Sinn“. Ein „Nachdenken“ findet nicht statt. Es entwickeln sich mehr und mehr Fähigkeiten. Besonders deutlich ist dies beim Laufen lernen und Sprechen lernen. Auch hier entwickeln sich die Kinder sehr individuell und damit unterschiedlich.

Die individuelle, kindliche Entwicklung ist der wesentliche Aspekt für den Schuleintritt und damit für den erfolgreichen (schulischen) Lernprozess (Lesen, Schreiben, Rechnen).

zuhören – verstehen – malen

Merkmale für die Schulfähigkeit

Die vier großen Bereiche hierzu sind:

  • Körperlicher Entwicklungsstand (Gesundheit, Motorik,…)
  • Kognitive Kompetenzen (Strukturdenken, Mengenverständnis…)
  • Personale und soziale Kompetenzen (Ausdauer, Motivation,…)
  • Sprachstand (Sprachverstehen, Wortschatz,…)

Nur aus der Berücksichtigung all dieser Bereiche und ihrer gegenseitigen Wechselwirkungen kann ein Kind als schulfähig oder noch nicht schulfähig eingestuft werden.

Überprüfungsmöglichkeiten für Zuhause:

  • Kann ihr Kind über einen längeren Zeitraum (10-20 Min.) Gesellschaftsspiele (Mensch-ärgere-dich-nicht, UNO,…) spielen?
  • Kann ihr Kind gewinnen und verlieren (ohne „Gefühlsausbrüche“)?
  • Kann ihr Kind Arbeitsaufträge (in deutscher Sprache!) verstehen und anschließend ausführen? („Gehe in dein Zimmer und hole deinen Teddy.“ – „Decke den Tisch für unsere Familie“…)
  • Kann sich ihr Kind selbständig an- und ausziehen? (z.B. Schuhe binden, Knöpfe schließen,…)
  • Kann ihr Kind alleine mit Messer und Gabel essen?
  • Sinnzusammenhängend (in deutscher Sprache) erzählen?
  • Kann ihr Kind zuhören und das Gehörte (in deutscher Sprache) wiedergeben?

Lesen, Schreiben und Rechnen sind für die Einschulung in das deutsche Schulsystem sekundär und müssen nicht gekonnt werden. Viel elementarer ist es, die grundlegenden individuellen Fähigkeiten zu besitzen, Lesen, Schreiben und Rechnen in den nächsten Monaten in der Schule erlernen zu können.

Es zeigt sich immer wieder, dass es keinen Vorteil (und auch keinen Nachteil) hat, schon vor dem Schulbesuch Lesen und/oder Schreiben zu können. Mit den entsprechenden Fähigkeiten ausgestattet, dauert es in der Regel nur einige Monate und bisherige Nicht-Leser haben die Lese-Könner eingeholt.

Wer nicht ausreichende, grundlegende Fähigkeiten (körperlich, kognitiv, sozial-emotional, sprachlich) mitbringt, der hat es in der Schule schwer und tut sich mit dem Lernen schwer. Kein guter Start für einen so wichtigen Lebensabschnitt. Daher ist es manchmal besser ein Jahr mit der Einschulung zu warten, um dann mit entsprechenden Fähigkeiten, Spaß und Freude seine Schulzeit zu beginnen.

     

       Stifthaltung                      Schneiden                 Mengenverständnis

Damit dieser Lebensabschnitt möglichst gut gelingt, sitzt ein Team aus Kindergartenerziehern und Grundschullehrern zusammen und beobachtet und bespricht jedes einzelne Kind.

Grundlage für diese Gespräche ist das Kieler Einschulungsspiel, das seit vielen Jahren im März/April an der Deutschen Schule Jakarta durchgeführt wird. Hier werden die Kinder auf ihre vielfältigen Fähigkeiten und Kompetenzen hin „geprüft“. Jedoch ist nicht alleine dieses Einschulungsspiel für die Schulfähigkeit entscheidend. Vielmehr haben die Beschreibungen der Kinder aus der Kindergartenzeit einen wesentlichen Anteil.

Das Kieler Einschulungsverfahren

Das Einschulungsspiel (Kieler Einschulungsverfahren) ist es ein Beobachtungsverfahren, das die bisher erworbenen Fähigkeiten der einzelnen Kinder beobachtet. Das Unterrichtsspiel wird von einem Grundschullehrer durchgeführt. Gleichzeitig sitzen Erzieherinnen und weitere Grundschullehrer mit dabei, um jedes Kind individuell zu beobachten.

Das Unterrichtsspiel beinhaltet 7 Unterrichtseinheiten und dauert ca. 80 Minuten. In diesem recht langen Zeitraum werden die unterschiedlichsten Fähigkeiten beobachtet und die Kinder benötigen eine gute Leistungsbereitschaft und ein gutes Durchhaltevermögen. Zwei wesentliche Eigenschaften, die auch für den späteren Schulbesuch sehr wichtig sind.

  • Gemeinsames Gruppenspiel
  • Malen
  • Formen und Linien
  • Zahlen und Mengen
  • Freies Erzählen
  • Bildergeschichte (ordnen, legen, erzählen)
  • Bewegungsspiele

Bei all diesen Tätigkeiten werden die Kinder auf folgende Fähigkeiten beobachtet:

  • Verhalten (lebhaft, ruhig, gesprächig,…)
  • Emotionalität (freudig, ängstlich, nervös,…)
  • Arbeitsverhalten (Tempo, Ausdauer, Sorgfalt,…)
  • Sprache (Ausdruck, Wortschatz, Verstehen,…)
  • Feinmotorik (schneiden, malen, Stifthaltung,…)
  • Grobmotorik (Geschicklichkeit, Koordination,…)

      

Auf der Grundlage der Beobachtungen der Erzieherinnen aus dem Kindergartenalltag, sowie der Ergebnisse bzw. Beobachtungen des Unterrichtsspiels wird eine Entscheidung zur Schulfähigkeit getroffen. Hierbei steht selbstverständlich immer das Wohl des Kindes im Vordergrund.

Wir, der Kindergarten und die Grundschule, nehmen die Einschulung ihres Kindes sehr ernst. Ein bestmöglicher Start ins Schulleben für ihr Kind ist uns wichtig. Grundschule macht Spaß und Grundschule ist spannend! Bereits in Kürze lernen alle Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen. Ausgestattet mit diesen grundlegenden Kulturtechniken können sich die Kinder von nun an recht selbständig die Welt des Wissens erobern. Sprache und Lesen zu können spielen hierbei die entscheidene Rolle.

Das Einschulungsverfahren und der Kita-Eltern-Info-Abend sind bereits vorüber. Nun kommen noch manche Elterngespräche, die Schnupperstunden der Kindergartenkinder in der derzeitigen ersten Klasse und ein gemeinsamer Kennenlern-Elternabend vor den Sommerferien für die neuen Erstklasseltern dazu.

Wir freuen uns auf die Einschulung der neuen Erstklässler und auf spannende, erlebnisreiche Grundschuljahre mit Ihren Kindern!

Ihr Grundschulteam der DSJ
Ulrich Ogon